Autorenname: SFB1665

Gesellschaft

Recht und Versorgungslücken: Auswirkungen des BSG-Urteils vom 19. Oktober 2023 auf die medizinische Versorgung von trans* und nicht-binären Personen

Die Diagnose Geschlechtsinkongruenz beschreibt die Nicht-Übereinstimmung zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und dem eigenen, erlebten Geschlecht. Menschen mit dieser Diagnose haben grundsätzlich Anspruch auf geschlechtsangleichende Maßnahmen, da diese medizinisch notwendig sind, um den oft massiven Leidensdruck zu lindern. Seit Ende 2023 gibt es jedoch neue Herausforderungen: Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für geschlechtsangleichende Behandlungen nicht mehr wie zuvor.

Events

Distinguished Lecturer Series – Daphna Joel Lecture Now Available on YouTube

In this lecture, Daphna Joel challenges the long-held assumption of a sex binary in neuroscience and psychology. Drawing on her research, she demonstrates that most human brains are unique “mosaics” of features more common in either women or men. This finding suggests that sex alone explains very little about brain structure or behavior, calling for a reevaluation of how we study and understand sex and gender in the brain.

Events

Why the Brain Isn’t Binary: DLS Recap on Rethinking Sex and Gender as a Mosaic

The lecture introduced central concepts in sex-based brain research and gendered neuroscience, with a focus on rethinking traditional binary models of the brain. Through vivid examples and data-driven insights, Professor Joel explored how unsupervised algorithms, anomaly detection, and brain architecture analyses can be used to challenge conventional perspectives and offer alternative interpretations of brain clustering methods. Participants were encouraged to reflect on how categories such as male and female are stereotypically constructed, applied, and questioned within both scientific and social frameworks. 

Doing Science

Den Dialog praktizieren: Molekularbiologie und Kulturwissenschaft entwickeln gemeinsam Perspektiven auf Geschlecht

Molekularbiologie trifft auf Kulturwissenschaft – und umgekehrt. Unser erstes Treffen fand in einem Besprechungsraum eines Kieler Labors für Humangenetik statt – vor genau acht Jahren. Heute arbeiten wir im SFB „Sexdiversity“ kollaborativ zusammen: Doch was kann eine Kulturwissenschaftlerin von molekularbiologischer Forschung verstehen – und warum sollten wir überhaupt zusammenarbeiten, wenn unsere Zugänge, Gegenstände, Methoden und Wissenspraktiken so unterschiedlich sind?

Wissenschaftliche Grundlagen und Hintergründe

Was bedeutet geschlechtliche Vielfalt für die körperliche Entwicklung?

Der Sonderforschungsbereich 1665 („Sexdiversity–Determinanten, Bedeutungen und Implikationen der Geschlechtervielfalt in soziokulturellen, medizinischen und biologischen Kontexten“) beschäftigt sich mit der Hypothese, dass die Entwicklung der körperlichen Geschlechtsmerkmale auf verschiedenen Ebenen – Zellebene, Organe und in der allgemeinen Körperlichkeit – verläuft und durch unterschiedliche Prozesse gesteuert wird. Unter Berücksichtigung dieser Ebenen und Prozesse hat jedes Individuum eine eigene geschlechtliche Ausprägung, die über die allgemeine Binarität hinausgeht. In diesem Blogbeitrag werden wir diese Hypothese aus biomedizinischer Sicht erläutern, die wissenschaftlichen Grundlagen dazu darstellen und auf relevante Literatur verweisen, um die Argumentation zu untermauern. Damit wird deutlich, dass es keine einfachen Erklärungen für die körperlichen Merkmale von Geschlecht gibt.

iRTG

Bridging Disciplines: The iRTG Summer School 2025 in Lübeck

From September 8–12, 2025, doctoral candidates and researchers from the Collaborative Research Centre “Sexdiversity” (CRC 1665) gathered at the Institute for Medical History and Science Ethics (IMGWF) in Lübeck for an intensive five-day Summer School. This year’s theme was dedicated to a core value of the CRC: interdisciplinarity.

Gesellschaft

New Article on Mandatory Genetic Testing for Women Athletes

Andrew Sinclair, a member of the scientific advisory board of CRC 1665, recently published a critical analysis of the newly proposed mandatory genetic tests for women athletes by World Athletics. Sinclair is notably the scientist who discovered the relevant gene involved in sex development back in 1990, giving him unique expertise on the topic.

Gesellschaft

Geschlechterordnung per Dekret: Trumps Executive Order zur Zweigeschlechtlichkeit

Am 20. Januar 2025, dem ersten Tag seiner zweiten Amtszeit, unterzeichnete US-Präsident Donald Trump die Executive Order 14168 mit dem Titel Defending Women from Gender Ideology Extremism and Restoring Biological Truth to the Federal Government (Link). Es handelt sich um ein wirkmächtiges Dokument, das das Leben vieler Menschen prägt – mit dem Anspruch, Körpergeschlecht eindeutig zu definieren. Dabei vermischen sich ideologische Vorstellungen, politische Maßnahmen und wissenschaftliche Argumentationen.
In unserem Beitrag nehmen wir die darin gezeichneten Vorstellungen von Körpergeschlecht kritisch in den Blick.

Wissenschaftliche Grundlagen und Hintergründe

„Kampf der Geschlechter“ und „Krieg der Gonaden“: Wissenschaftshistorische Bemerkungen zur Entstehung des Konzeptes der Sexualhormone

Diese „neue Physiologie“ der Regulation durch leistungsstarke Agentien war untrennbar mit den Potentialen der pharmaindustriellen Produktion verbunden. Hormone waren zugleich Naturstoffe und Arzneimittel. Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg entstanden enge Beziehungen zwischen biochemischer Forschung und industrieller Herstellung. Das Ziel der pharmazeutischen Großunternehmen war die Produktion reiner, standardisierter Substanzen und deren molekulare Umgestaltung zur Gewinnung neuer Produkte. Die Herstellung von Wirksamkeit war dabei immer auch die Herstellung von Marktfähigkeit. Das endokrinologische Körperwissen war unmittelbar an eine pharmaindustrielle Ökonomie gebunden.

iRTG

Bridging Disciplines: Neuroscience Meets Gender Studies at CRC 1665 Distinguished Lecturer Series

Professor Kaiser Trujillo’s talk provided a compelling overview of the intersections between neuroscience and gender studies. Drawing on her long-standing work at the interface of these disciplines, she addressed the enduring scientific and political question of how a biological understanding of sex relates to cognition, communication, and behavior. The lecture critically examined how sex and gender are operationalized in neuroimaging studies (particularly fMRI) and how these practices shape, and often constrain, the ways in which human diversity is understood in brain research.

Gesellschaft

Die Crux mit der Binarität: Der britische Supreme Court will das Körpergeschlecht vereindeutigen

Der UK Supreme Court, das höchste britische Gericht, hat am 16. April 2025 geurteilt, dass im britischen Gleichstellungsgesetz (Equality Act von 2010) unter „Geschlecht“ das “biologische Geschlecht“ gemeint sei, welches ausschließlich männlich oder weiblich bedeute. Entsprechend dürfen in Frauenquoten trans Frauen nicht mitgezählt werden. Trans Männer dürfen nicht in Männerabteilungen von Krankenhäusern liegen und auch andere „single sex spaces“ wie Toiletten oder Umkleideräume seien für Angehörige des jeweiligen Geburtsgeschlechts reserviert. Für Angehörige von geschlechtlichen Minderheiten, also für trans, inter und nichtbinäre (TIN*) Personen, die in dem Gerichtsverfahren offenbar gar nicht angehört wurden, schafft das offensichtlich Probleme.

iRTG

Recap on the Distinguished Lecture: NeuroGenderings: Approaches for gender-equitable brain research on 13 February 2025

Another event in the Distinguished Lecture Series took place in the week before the major CRC 1665 meeting, the scientific retreat, with Professor Sigrid Schmitz from Humboldt University Berlin as guest speaker.
The public lecture NeuroGenderings: Approaches for gender-equitable brain research took place on Thursday, 13 February 2025 in the Institute for History of Medicine and Science Studies (IMGWF) in Lübeck and simultaneously via Webex. Sigrid Schmitz’s lecture focused on the transdisciplinary NeuroGenderings network, which facilitates collaboration between experts from the neurosciences, gender, queer and feminist studies, as well as science and technology studies.

iRTG

2nd Retreat of CRC 1665 Sexdiversity at Plön Castle

All members of the Collaborative Research Centre „Sexdiversity “ (CRC 1665) gathered for the 2nd Retreat at the grand and breathtakingly beautiful Plön Castle. This two-day event, held on February 20-21, 2025, provided an excellent opportunity for collaboration, knowledge exchange, and productive discussions in a truly inspiring setting. As a member of the retreat organizing team, Svenja Denker, a doctoral candidate in the CRC, reflects on the event from her perspective.

Allgemeines, Frequently Asked Questions

Was bedeutet „Sex Contextualism“?

Die einzelnen Forschungsprojekte des SFB „Sexdiversity“ forschen zwar zu verschiedenen Themen und kommen aus unterschiedlichen Disziplinen – von Medizin und Molekulargenetik über Neurowissenschaften bis hin zu Wissenschaftsgeschichte. Aber sie eint eine gemeinsame Perspektive: Alle Projekte forschen auf Grundlage des sogenannten „Sex Contextualism“, also eines kontextuellen Konzepts von Körpergeschlecht.

Frequently Asked Questions

Stellt diversitätssensible Medizin die Gendermedizin in Frage?

Gelegentlich wird die Behauptung aufgestellt, die Diversitätsforschung würde die Gendermedizin gefährden oder rückgängig machen. Diese Unterstellung erzeugt Unsicherheit über das Verhältnis von geschlechtsspezifischer Medizin und Diversitätsforschung im Gesundheitsbereich. Dadurch wird zudem ein Konkurrenzverhältnis unterstellt, was so in der Realität nicht existiert. Vielmehr handelt es sich, wie ich zeigen möchte, um komplementäre Bereiche, die produktiv aufeinander Bezug nehmen.

Events

Next Distinguished Lecture on NeuroGenderings 13. February 2025

The brain is increasingly conceived as an open biological system developing in mutual interchange with experiences (brain plasticity). Such embodying of the social contests the nature-nurture dichotomy as well as binary sex differences, and, instead, highlights the sex/gender development of brain-behaviour relations. In the transdisciplinary NeuroGenderings network, scholars from neurosciences, gender/queer and feminist science technology studies develop conceptual approaches to analyze the entangled biological, social, and cultural variables that constitute sexed/gendered brains whilst acknowledging their diversity.

Publikationen aus dem SFB 1665

Veröffentlichungen des Sonderforschungsbereichs „Sexdiversity“ 2024

Seit der Arbeitsaufnahme des Sonderforschungsbereichs „Sexdiversity“ im April 2024 an der Universität zu Lübeck sind bereits wichtige wissenschaftlichen Publikationen entstanden. Zum dem Jahreswechsel informieren wir hiermit über die Veröffentlichungen aus dem Jahr 2024.

Events

Distinguished Lecture with Staffan Müller-Wille is now available on YouTube

The last installment of our Distinguished Lecture Series (DLS) by Staffan Müller-Wille (Cambridge) on Sex and Gender in the History of the Life Sciences from 12. December 2024 is now available on YouTube.

The DLS is organized by the Integrated Research Training Group (iRTG) of the Collaborative Research Center (CRC) 1665 “Sexdiversity”.

Frequently Asked Questions

Wie viele biologische Geschlechter gibt es eigentlich?

Das biologische Geschlecht ist ein komplexes und vielgestaltiges Phänomen. Die Antwort auf die obige Frage, es gebe genau zwei biologische Geschlechter, weil es zwei verschiedene Keimzellen – Eizellen und Spermien – gibt, ist ungenügend. Die Natur zeigt nämlich eine erstaunliche Vielfalt an Sexualsystemen, die mit einem binären Ansatz nicht zu fassen sind.

Frequently Asked Questions

Welche Forschungsprojekte werden im Sonderforschungsbereich „Sexdiversity“ gebündelt?

Der SFB ist in drei Projektgruppen gegliedert, die die vielfältigen Perspektiven auf den Forschungsgegenstand Geschlecht aufzeigen. Die Projektgruppen werden anhand von ausgewählten Teilprojekten folgend vorgestellt.

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