SFB1665

Doing Science

Von Zellen, Mäusen und Menschen

Was können wir in der Hormonforschung aus Modellsystemen lernen? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen Geschlecht, Körpertemperatur und Herzschlag?
Dieser Blogbeitrag eröffnet einen Blick hinter die Kulissen der endokrinologischen Forschung. Er geht der Frage nach, wie Wissenschaftler*innen die chemischen Botenstoffe des menschlichen Körpers untersuchen können. Wie werden dabei Tier- und Zellmodelle eingesetzt? Und warum sind die von uns verwendeten Werkzeuge entscheidend?

In den Medien

Der SFB im Spiegel der Medien — Rückschau der Jahre 2024 und 2025

Dieser Beitrag bietet eine thematische Übersicht über die wichtigsten aktuellen Artikel und Beiträge zum Sonderforschungsbereich ‚Sexdiversity‘ (SFB 1665) – nicht chronologisch, sondern nach relevanten Themen geordnet.

Gastbeitrag

Leben in einer Welt, die nur zwei Geschlechter kennt: Die Geschichte von Cheryl Chase

Der folgende Gastbeitrag von Sophie Charlott Kriedemann beleuchtet die ethischen, medizinischen und sozialen Dimensionen von Intergeschlechtlichkeit, hinterfragt normative Vorstellungen von Geschlecht und diskutiert die Konsequenzen frühkindlicher medizinischer Eingriffe. Der Beitrag ist eine gekürzte und revidierte Version ihres Essays, das im Rahmen eines Ethikseminars im Sommersemester 2025 an der Universität zu Lübeck entstanden ist.

iRTG

Genders in dissolution?

The Distinguished Lecturer Series (DLS) of CRC 1665 regularly brings together researchers from different disciplines to engage in critical dialogue on a wide range of topics covered by the umbrella term „Sexdiversity“. On 15 January 2026, the iRTG of the CRC 1665 welcomed Stefan Hirschauer, Professor at the Johannes Gutenberg University of Mainz and Speaker of the CRC 1482 “Human Differentiation”. He gave a public lecture with the title “Genders in dissolution? Sex & gender in historical change”. The lecture took place at the Center for Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) of the University of Lübeck.

Doing Science

Listening to the Stories that medicine left out: SexDiversity Stories on Oral-History.digital

What do we really know about the history of sex diversity? Academic publications, clinical records and pharmaceutical archives tell us one part of the story but leave out those perspectives most directly affected: the experiences of those undergoing therapies, medical procedures and medical harm. Our project, Medicating Sex (S09), sets out to change that. We are building a collection of oral history interviews with people who experienced medical treatment during a period of rapidly evolving approaches to sex diversity, and we are making them accessible on the platform Oral-History.digital.

Gesellschaft

Geschlossene Gesellschaft: Geschlecht & Gefängnis

Gefängnisse sind Orte extremer Machtasymmetrien: Inhaftierte verlieren nicht nur ihre Freiheit, sondern unterliegen einer umfassenden staatlichen Kontrolle über Alltag, Körper und Identität. In diesem Sinne lassen sich Gefängnisse als Institutionen verstehen, in denen Disziplinierung und Normierung zentrale Funktionen erfüllen.
Doch wie wirken sich diese Formen der Normierung auf trans, inter und nicht-binäre (TIN) Personen aus? Das Verhältnis von Geschlecht und Gefängnis rückt derzeit erneut in den Fokus der Öffentlichkeit, ausgelöst durch zwei prominente Fälle: Zum einen die Auslieferung und anschließende Inhaftierung von Maja T., die sich als nicht-binär identifiziert und über gewaltvolle Haftbedingungen in Ungarn berichtet. Zum anderen der Fall der rechtsextremen Person Marla Svenja Liebich, deren kurz vor der Verurteilung erfolgte Personenstandsänderung eine mediale und politische Debatte über das Selbstbestimmungsgesetz (SBBG) und dessen mögliche Instrumentalisierung ausgelöst hat.

Gastbeitrag

Einblick in Selbstvertretung und Perspektiven der AGS-Initiative: Ein Gespräch mit einer langjährig engagierten Vertreterin

In diesem Interview sprechen wir mit einer langjährigen engagierten Vertreterin der Eltern- und Patienteninitiative zu Adrenogenitalem Syndrom (AGS), die sich seit vielen Jahren für die Interessen von Menschen mit AGS einsetzt. Die interviewte Person war über mehrere Jahre hinweg in unterschiedlichen Projekten und Gremien im Bereich der Versorgung und Selbstvertretung von Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung involviert und bringt ihre Perspektive weiterhin beratend ein.

Aktuelle Studien

Neue Studie zu Körperzusammensetzung und Fitness bei transgender und cisgender Personen

Eine aktuelle Studie mit Meta-Analyse im British Journal of Sports Medicine untersucht Unterschiede in Körperzusammensetzung und Fitness zwischen transgender und cisgender Personen sowie die Effekte einer Gender Affirming Hormone Therapy (GAHT).

Die Ergebnisse zeigen: Transfrauen sind nach Hormontherapie in Fettmasse, Muskelmasse, Kraft und Ausdauer weitgehend vergleichbar mit cisgeschlechtlichen Frauen.

Events, iRTG

Distinguished Lecturer Series – Geschlecht in Auflösung jetzt auf Youtube verfügbar

Die vollständige Aufzeichnung des Vortrags von Stefan Hirschauer, der am 15. Januar 2026 im Rahmen der Vortragsreihe „Distinguished Lecturer Series“ des iRTG des Sonderforschungsbereichs 1665 „Sexdiversity“ gehalten wurde, ist nun online verfügbar.

Gesellschaft

Geschlecht und Sport – Die problematische Rückkehr der Sex-Tests

Seit September 2025 sorgt die Einführung von genetischen Geschlechtstest durch den internationalen Leichtathletikverband World Athletics für erheblichen Wirbel. Bei Wettbewerben wie der WM in Tokio müssen Athlet*innen, die in der Kategorie „Frauen“ antreten wollen, nachweisen, dass sie das sogenannte SRY-Gen nicht besitzen. Das SRY-Gen sitzt auf dem Y-Chromosom und setzt im Regelfall eine männliche Geschlechtsentwicklung in Gang. Wenn ein*e Athlet*in das SRY-Gen hat, führt es zum Ausschluss aus Frauenwettbewerben.
Diese Maßnahme löste eine Debatte aus, die sowohl wissenschaftliche als auch gesellschaftliche Fragen berührt: Können biologische Marker wie das SRY-Gen wirklich die komplexe Realität von Geschlecht abbilden? Ist ein solcher Test fair und ethisch vertretbar? Und wie spiegeln sich gesellschaftliche Anti-Gender-Diskurse in dieser Diskussion wider? Zunächst soll die Vorgeschichte der aktuellen Gentests kurz beleuchtet werden.

Gesellschaft

Recht und Versorgungslücken: Auswirkungen des BSG-Urteils vom 19. Oktober 2023 auf die medizinische Versorgung von trans* und nicht-binären Personen

Die Diagnose Geschlechtsinkongruenz beschreibt die Nicht-Übereinstimmung zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und dem eigenen, erlebten Geschlecht. Menschen mit dieser Diagnose haben grundsätzlich Anspruch auf geschlechtsangleichende Maßnahmen, da diese medizinisch notwendig sind, um den oft massiven Leidensdruck zu lindern. Seit Ende 2023 gibt es jedoch neue Herausforderungen: Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für geschlechtsangleichende Behandlungen nicht mehr wie zuvor.

Events

Distinguished Lecturer Series – Daphna Joel Lecture Now Available on YouTube

In this lecture, Daphna Joel challenges the long-held assumption of a sex binary in neuroscience and psychology. Drawing on her research, she demonstrates that most human brains are unique “mosaics” of features more common in either women or men. This finding suggests that sex alone explains very little about brain structure or behavior, calling for a reevaluation of how we study and understand sex and gender in the brain.

Events

Why the Brain Isn’t Binary: DLS Recap on Rethinking Sex and Gender as a Mosaic

The lecture introduced central concepts in sex-based brain research and gendered neuroscience, with a focus on rethinking traditional binary models of the brain. Through vivid examples and data-driven insights, Professor Joel explored how unsupervised algorithms, anomaly detection, and brain architecture analyses can be used to challenge conventional perspectives and offer alternative interpretations of brain clustering methods. Participants were encouraged to reflect on how categories such as male and female are stereotypically constructed, applied, and questioned within both scientific and social frameworks. 

Doing Science

Den Dialog praktizieren: Molekularbiologie und Kulturwissenschaft entwickeln gemeinsam Perspektiven auf Geschlecht

Molekularbiologie trifft auf Kulturwissenschaft – und umgekehrt. Unser erstes Treffen fand in einem Besprechungsraum eines Kieler Labors für Humangenetik statt – vor genau acht Jahren. Heute arbeiten wir im SFB „Sexdiversity“ kollaborativ zusammen: Doch was kann eine Kulturwissenschaftlerin von molekularbiologischer Forschung verstehen – und warum sollten wir überhaupt zusammenarbeiten, wenn unsere Zugänge, Gegenstände, Methoden und Wissenspraktiken so unterschiedlich sind?

Wissenschaftliche Grundlagen und Hintergründe

Was bedeutet geschlechtliche Vielfalt für die körperliche Entwicklung?

Der Sonderforschungsbereich 1665 („Sexdiversity–Determinanten, Bedeutungen und Implikationen der Geschlechtervielfalt in soziokulturellen, medizinischen und biologischen Kontexten“) beschäftigt sich mit der Hypothese, dass die Entwicklung der körperlichen Geschlechtsmerkmale auf verschiedenen Ebenen – Zellebene, Organe und in der allgemeinen Körperlichkeit – verläuft und durch unterschiedliche Prozesse gesteuert wird. Unter Berücksichtigung dieser Ebenen und Prozesse hat jedes Individuum eine eigene geschlechtliche Ausprägung, die über die allgemeine Binarität hinausgeht. In diesem Blogbeitrag werden wir diese Hypothese aus biomedizinischer Sicht erläutern, die wissenschaftlichen Grundlagen dazu darstellen und auf relevante Literatur verweisen, um die Argumentation zu untermauern. Damit wird deutlich, dass es keine einfachen Erklärungen für die körperlichen Merkmale von Geschlecht gibt.

iRTG

Bridging Disciplines: The iRTG Summer School 2025 in Lübeck

From September 8–12, 2025, doctoral candidates and researchers from the Collaborative Research Centre “Sexdiversity” (CRC 1665) gathered at the Institute for Medical History and Science Ethics (IMGWF) in Lübeck for an intensive five-day Summer School. This year’s theme was dedicated to a core value of the CRC: interdisciplinarity.

Gesellschaft

New Article on Mandatory Genetic Testing for Women Athletes

Andrew Sinclair, a member of the scientific advisory board of CRC 1665, recently published a critical analysis of the newly proposed mandatory genetic tests for women athletes by World Athletics. Sinclair is notably the scientist who discovered the relevant gene involved in sex development back in 1990, giving him unique expertise on the topic.

Gesellschaft

Geschlechterordnung per Dekret: Trumps Executive Order zur Zweigeschlechtlichkeit

Am 20. Januar 2025, dem ersten Tag seiner zweiten Amtszeit, unterzeichnete US-Präsident Donald Trump die Executive Order 14168 mit dem Titel Defending Women from Gender Ideology Extremism and Restoring Biological Truth to the Federal Government (Link). Es handelt sich um ein wirkmächtiges Dokument, das das Leben vieler Menschen prägt – mit dem Anspruch, Körpergeschlecht eindeutig zu definieren. Dabei vermischen sich ideologische Vorstellungen, politische Maßnahmen und wissenschaftliche Argumentationen.
In unserem Beitrag nehmen wir die darin gezeichneten Vorstellungen von Körpergeschlecht kritisch in den Blick.

Wissenschaftliche Grundlagen und Hintergründe

„Kampf der Geschlechter“ und „Krieg der Gonaden“: Wissenschaftshistorische Bemerkungen zur Entstehung des Konzeptes der Sexualhormone

Diese „neue Physiologie“ der Regulation durch leistungsstarke Agentien war untrennbar mit den Potentialen der pharmaindustriellen Produktion verbunden. Hormone waren zugleich Naturstoffe und Arzneimittel. Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg entstanden enge Beziehungen zwischen biochemischer Forschung und industrieller Herstellung. Das Ziel der pharmazeutischen Großunternehmen war die Produktion reiner, standardisierter Substanzen und deren molekulare Umgestaltung zur Gewinnung neuer Produkte. Die Herstellung von Wirksamkeit war dabei immer auch die Herstellung von Marktfähigkeit. Das endokrinologische Körperwissen war unmittelbar an eine pharmaindustrielle Ökonomie gebunden.

Gesellschaft

Die Crux mit der Binarität: Der britische Supreme Court will das Körpergeschlecht vereindeutigen

Der UK Supreme Court, das höchste britische Gericht, hat am 16. April 2025 geurteilt, dass im britischen Gleichstellungsgesetz (Equality Act von 2010) unter „Geschlecht“ das “biologische Geschlecht“ gemeint sei, welches ausschließlich männlich oder weiblich bedeute. Entsprechend dürfen in Frauenquoten trans Frauen nicht mitgezählt werden. Trans Männer dürfen nicht in Männerabteilungen von Krankenhäusern liegen und auch andere „single sex spaces“ wie Toiletten oder Umkleideräume seien für Angehörige des jeweiligen Geburtsgeschlechts reserviert. Für Angehörige von geschlechtlichen Minderheiten, also für trans, inter und nichtbinäre (TIN*) Personen, die in dem Gerichtsverfahren offenbar gar nicht angehört wurden, schafft das offensichtlich Probleme.

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